Read Leidenschaft: Roman by Irène Némirovsky Online

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Vom Feuer der Liebe, die alle Regeln brichtEin kleiner Ort im Herzen der franz sischen Provinz in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg Hier f hren Colette und ihr um viele Jahre lterer Ehemann ein stilles, zur ckgezogenes Leben F r das gro e Gl ck und die Leidenschaft ist kein Platz Das Miteinander in der d rflichen Gemeinschaft ist bestimmt vom Schweigen und von Anspielungen, von verdeckter Feindschaft und duldsamer Gen gsamkeit Und doch brodeln unter der Oberfl che ungeahnte Gef hle....

Title : Leidenschaft: Roman
Author :
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ISBN : 3442742420
ISBN13 : 978-3442742424
Format Type : Other Book
Language : Deutsch
Publisher : btb Verlag 13 Juni 2011
Number of Pages : 128 Seiten
File Size : 594 KB
Status : Available For Download
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Leidenschaft: Roman Reviews

  • A. Zanker
    2019-04-15 08:13

    Wie immer schreibt Iréne Némirovsky von zwischenmenschlichen Beziehungs-Konstellationen, beginnend vor dem ersten Weltkrieg, wo Frauen und Männer, auf der Suche sind, Ehepartner zu finden, sich sein Leben zu sichern,wo Zweckgemeinschaften gegründet wurden, wo Treue gelebt wurde, auch wenn im Innersten, in Gegenwart oder vergangener Zeiten Liebhaber existierten und sich trotz aller Gewohnheiten und gesellschaftlicher Normen, sich so etwas wie einstige Lieben und Leidenschaften in den inneren Bewusstseinswelten der damaligen Menschen, genauso wie heute bemerkbar machen. Verbringen wir doch oft unser Leben mit einem Partner und lieben im Grunde einen Anderen, oder haben einen Anderen geliebt, was sich auch nach 80 Jahren nicht geändert hat.Es ist schon erstaunlich, wie ein Manuskript im Jahre 1942 von der Autorin, (bevor sie nach Auschwitz deportiert wurde und dort starb), noch in Sicherheit gebracht wurde, und wohl von ihrer Tochter Denise Epstein über 60 Jahre aufbewahrt wurde, bis es 2005 an den IMEC (Institut Mémoires de l'édition contemporaine) übergeben wurde.(Im Nachwort der Herausgeber von Olivier Philipponat und Patrick Lienhardt wird darauf kurz eingegangen, die auch schon in Herr der Seelen: Roman das Nachwort verfasst haben und eine neue Biographie verfasst haben.)Irène Némirovsky: Die BiographieErzählt wird aus Sicht des Protagonisten Silvio Vetter, der als Ich-Erzähler, die verschiedenen Lebensläufe verschiedener Paare und zweier Generationen schildert, von Colette und ihrem älteren Mann Jean, die ihre Eltern für ihre Art ihre Ehe zu führen bewundert und als Vorbild nimmt. Colette liebt im Grunde einen anderen Mann und hat sich mit Jean arrangiert. Durch einen dummen Unfall, bei der Jean um's Leben kommt, brechen Wahrheiten, verborgene Liebschaften, und vergangene Lieben zu neuem Leben auf, als ob sich die Liebe nicht aufhalten liesse, sich neue Wege für ihre Berechtigung einzufordern. Selbst an der als Vorbild genommenen Ehe ihrer Eltern, entstehen Risse, und alte Strukturen, dem Treusein eines langjährigen Ehepartners, beginnen zu bröckeln, als ob selbst die längst vergangenen Wahrheit ihren Weg ans Licht sich suchen würde.Eine Art ländliche Tragödie wird hier aufgeblättert, wo Menschen sich mit ihren Lebenspartner arrangieren, und längst sich die Liebe im Stillen nach neuen Ufern und Menschen sich ausgebreitet hat. Némirovsky erzählt von verborgenen und vergangenen Lieben, wie verzweifelt wir sein können, wenn wir an der Seite eines Partners leben und gleichzeitig wissen, dass wir einen Anderen lieben. In welche angepassten Modi wir uns selbst oft aus Sicherheitsgründen manövrieren und zu leiden fähig sind, und wie sehr wir eigentlich lebendig werden, wenn wir aus einer authentischen Leidenschaft zu lieben fähig sind, die vielleicht viel tiefer geht und als Menschen noch viel mehr zu dem machen was wir sein wollen und im Grunde auch sind, liebende leidenschaftliche Liebespartner, die einander zu grossem Erleben fähig sind.Mit wie immer grossem Feingespür, viel Einfühlungsvermögen und behutsamer Sprache, schildert uns Iréne Némirovsky das innere der damaligen Seelenwelten zwischen Mann und Frau, wo es darum geht, wie sehr wir bereit sind, unser Leben danach zu richten wen wir lieben und was wir dafür zu geben (oder aufzugeben) bereit sind und wie oft wir doch in angepasster selbstauferlegter Treue uns durch Leben schummeln und wir vielleicht durch unliebsame Zufälle aufgerüttelt werden, wo sich etwas in unserem Leben zeigen möchte, was etwas mit Wahrheit und Authentizität zu tun hat. Ein Roman der sich zwischen Vernunft und Strenge zum Einen, und Unvernunft und Leidenschaft zum Andern hin und herbewegt, wo Scham, Verzweiflung, Wahrheit,Leidenschaft, Illusion und Desillusion einen entsprechenden Mix abgeben, wo der Schrei nach Klarheit und Wahrhaftigkeit nicht mehr zu überhören ist.So sehr ich die diese überaus talentierte Autorin des Zwischenmenchlichen schätze, so traurig macht es mich auch, dass sie in ihrem kurzen Leben nicht weiter leben durfte und dem Drama der Inteloranz nicht entgehen konnte. Wer die Notizen und das Nachwort aus ihrem Band Suite française: Roman gelesen hat, weiss wie berührend und traurig ihr Leben geendet hat. (Dieser Roman wurde in 38 Sprachen übersetzt und wurde 1.3 Mio. mal verkauft). Iréne Nemirovsky zählt mittlerweile zu meinen Liebslingsautoren, sie schreibt über Lebensthemen die uns alle angehen, die etwas Zeitloses an sich haben, und an ihrer Aktualität nach weit über 60 Jahren nichts verloren haben. Durch ihr Schaffen wird sich wohl Iréne Némirovsky in die zeitlosen Klassiker einreihen, was ihre Literatur zu etwas Kostbarem aufleuchten lässt, was mich an dieser aussergewöhnlichen Autorin immer wieder von Neuem anzieht und im Leseerlebnis in berührter aber auch dankbarer Betroffenheit zurücklässt.

  • Luisa
    2019-04-20 00:18

    Die Autorin hat eine außerordentliche Begabung zur intensiven Beschreibung im Detail, und die Übersetzung hat das voll nachvollzogen. Bewunderung für die Übersetzerin.

  • CeCe
    2019-04-04 01:17

    Dieses Buch trägt den Titel Leidenschaft. Allerdings finde ich in diesem Buch lediglich eine Stelle, bei der man sagen kann, dass es etwas wie Leidenschaft zu tun hat.Mich hat das Buch enttäuscht.

  • Borux
    2019-03-21 23:52

    Als von den Nazis verfolgte Jüdin kam die vor dem zweiten Weltkrieg in Frankreich recht erfolgreiche Schriftstellerin ukrainischer Herkunft Irène Némirovsky 1942 im KZ Auschwitz um. Ihr Schicksal vorausahnend hatte sie ihren beiden Töchtern einen Koffer mit Tagebüchern und Manuskripten übergeben, der durch die Wirren des Krieges gerettet werden konnte und dann jahrzehntelang unbeachtet blieb. In diesem Koffer wurde 2005 unter anderem auch das vollständige Manuskript des bis dato als Fragment angesehenen Romans «Chaleur du sang» entdeckt, der daraufhin zwei Jahre später in Frankreich erstmals publiziert wurde. Im Nachwort der deutschen Erstausgabe unter dem Namen «Leidenschaft» werden von den Herausgebern die äußerst interessanten Hintergründe zu Autorin, Werk und speziell zu diesem Roman näher beleuchtet. Eine solche Wiederentdeckung nach sechzig Jahren ist ja wahrlich kein alltägliches Ereignis in der Literatur, und das macht neugierig, mich jedenfalls!Der schmale Band enthält eine schnörkellos erzählte, spannende Geschichte aus der tiefsten Provinz Frankreichs in den 1930er Jahren, eine idyllische Gegend, die einen ganz besonderen, bäuerlichen Menschenschlag hervorgebracht hat, bodenständig, schwerfällig, misstrauisch, verschlossen. Ich-Erzähler Silvio ist ein weitgereister Mann, den es in seinen jungen Jahren in die Fremde hinausgezogen hat, der viel erlebt hat dabei und sein Leben in vollen Zügen zu genießen wusste. Nun ist er alt, fristet ein bescheidenes Leben in einem baufälligen Haus, bedauert zuweilen, all sein Geld verprasst zu haben und jetzt unter so armseligen Verhältnissen leben zu müssen. Aber er hat sich abgefunden damit, unterhält gute Beziehungen zu seiner Cousine Hélène und deren Mann François, ein in seiner unverbrüchlichen Liebe geradezu modellhaft wirkendes Ehepaar. Colette, deren Tochter, die kurz vor der Heirat mit dem um einiges älteren Jean steht, wünscht sich nichts sehnlicher als eine genau so innige Liebe, eine ebenso harmonische Ehe wie die ihrer Eltern. Es kommt anders, aber mehr will ich zum Plot nicht sagen, um nicht die Spannung zu zerstören. Ich selbst hatte gottlob vorweg nichts über diesen Roman gelesen und konnte so die Dramatik der Geschichte ungeschmälert genießen.Aber auch wenn man deren Ausgang kennt, ist «Leidenschaft» ein wunderbares Leseerlebnis, in einer angenehm zu lesenden Sprache nämlich wird sehr anschaulich ein umfassendes Sittengemälde der damaligen Zeit gezeichnet. Das alles wird geradlinig und ohne langatmige Umwege erzählt von Silvio, diesem etwas schrulligen alten Knaben, der es aber faustdick hinter den Ohren hat, so mein Eindruck, und der einem vom ersten Satz an sofort sympathisch ist. Überhaupt ist die Figurenzeichnung der Autorin bemerkenswert, wie bei einem in wenigen Strichen skizzierten Portrait wird hier das Wesen der Protagonisten knapp, aber absolut treffsicher in der Wortwahl beschrieben. Und es sind auch nicht die Befindlichkeiten der Protagonisten, die uns in Romanen heutiger Zeit ja oft bis zum Überdruss vorgeführt werden, es sind vielmehr die realen Handlungen ihrer Figuren, auf die sich Némirovsky, schnell und zielsicher voranschreitend, konzentriert. Dabei benutzt sie als Stilmittel die wunderbaren inneren Monologe ihres Ich-Erzählers ebenso wie die glaubhaften, realitätsnahen Dialoge ihrer uns geradezu greifbar nahe erscheinenden Figuren. Deren schicksalhafte Verbindungen vor dem gesellschaftlichen Hintergrund der Provinz mit seinen festgefügten Normen, der Scheinmoral und den Eigenarten der Landbevölkerung ergeben ein Psychogramm, in dem glühende Liebe und wilde Leidenschaft den unverrückbar scheinenden Konventionen gegenübersteht und nur im Verborgenen ausgelebt werden kann.Die romantischen Illusionen einer jungen Frau werden auf radikale Weise zerstört in dieser spannenden Geschichte. Schade nur, dass sich all dies auf wenig mehr als hundert Seiten abspielt, ich hätte gerne noch lange weiter gelesen.