Read 1979: Ein Roman by Christian Kracht Online

1979-ein-roman

Iran am Vorabend der islamischen Revolution Ein junger Innenarchitekt und sein kranker Freund Christopher reisen als Angeh rige einer internationalen Partyszene durch das Land In Teheran werden die Panzer des Schahs aufgefahren Zwischen Drogenexzessen, Sch nheit und Gewalt erfasst den Ich Erz hler der Taumel von etwas Neuem Eine Welt ohne Zentrum, in der auf einmal alles m glich erscheint Doch bald wird klar, dass man in einer durch Sch nheit und Leid zweigeteilten Welt nicht ewig als Tourist herumreisen kann Im besetzten Tibet, wohin es den Ich Erz hler nach dem Tod seines Gef hrten verschl gt, wird er von chinesischen Soldaten verhaftet....

Title : 1979: Ein Roman
Author :
Rating :
ISBN : 9783596185306
ISBN13 : 978-3596185306
Format Type : Hardcover
Language : Deutsch
Publisher : FISCHER Taschenbuch Auflage 5 1 September 2010
Number of Pages : 192 Seiten
File Size : 562 KB
Status : Available For Download
Last checked : 21 Minutes ago!

1979: Ein Roman Reviews

  • Martin Roth
    2019-02-19 19:44

    Ein Buch von Chris Kracht, der deutschen/schweizerischen Antwort auf Michel Houellebecq. Man hat ihn ja schnell vor Augen, den typisch deutschen Schnösel, reich geboren, von Beruf Sohn. Aber er will es der Welt zeigen! So pilgerte Kracht leicht verspätet den Hippies nach durch Asien und suchte und fand dort Qual und Erlösung. Im Buch "1979" strandet der Protagonist zuerst im Iran des Ayatollah Chomeini, dann im China der Viererbande - und, wer hätte das gedacht - bis auf ein paar Ausnahmen vom Typ "edler Wilder à la Karl May" sind diese Asiaten ganz gemeine Typen. Meines Erachtens schwer überschätzter Autor. Näher bei Karl May als bei Michel Houellebecq.

  • buecheroeli
    2019-03-02 13:58

    "Was war das jetzt?, war mein erster Gedanke, nachdem ich das Buch fertiggelesen hatte. Die Hauptperson treibt wie ferngesteuert durch das vorrevolutionäre Teheran bis nach Tibet, er taumelt von seinem Freund/Lebensgefährten über einen rumänischen Lebemann bis in ein chinesisches Arbeitslager und passt sich an, lässt sich ausnutzen und quälen. Das aus Faserland bekannte dekadente Setting finden wir in Teheran wieder. Die Hauptperson findet sich hier genauso zurecht wie in beim Umrunden eines heiligen Berges oder im Arbeitslager. Er ist wie ein Schwamm, der alles aufsaugt, aber nichts weitergibt. Der Stil ist Faserland nicht unähnlich und Kracht entwickelt einen eigenen, unverwechselbaren, Stil. Das (sehr kurze) Buch liest sich flüssig.Am Ende fragt man sich aber doch, was das alles sollte. Worum ging es hier, was wollte uns der Autor damit sagen? Aber man muss auch nicht alles wissen oder verstehen und vielleicht sollte man sich einfach mal treiben lassen. Auf jeden Fall lesenswert, aber ich würde mit Faserland anfangen. Ich werde auch die anderen Bücker Krachts lesen.

  • k11n
    2019-02-20 13:42

    Der Schweizer Schriftsteller Christian Kracht erzählt in seinem Roman '1979' auf gewohnt provozierende und verstörende Art vom Aufeinandertreffen zwischen surrealer Dekadenz und brutaler Radikalität. Ein junger Dandy stolpert mit viel Pop und Pathos in die Wirrungen der Revolutionsunruhen in Teheran und fällt dabei in einen Sog der Ereignisse, welchem er mit paradoxer Gleichgültigkeit entgegentritt.Der Roman spielt zunächst im Iran des Jahres 1979. Die revolutionäre Bewegung ist im vollen Gange. Ajatollah Chomeini führt Demonstrationen gegen Schah Mohammad Reza Pahlavi an und fordert dessen Absetzung. Von alle dem bekommen der namenlose Erzähler und sein Freund Christopher allerdings nichts mit - sie sind viel mehr mit sich selbst beschäftigt. Da scheint die Frage nach der passenden Schuhwahl für die anstehende Party wichtiger. In den Unruhen um sie herum wirken die beiden grotesk deplatziert. Auf einer dekadenten und skurrilen Party in Teheran führen Christophers Drogeneskapaden je zu einem bitteren Kurswechsel der Geschichte. Auf sich allein gestellt irrt der dandyhafte Erzähler von nun an durch die Geschichte. Gelenkt von Suche und Zufall begibt er sich dabei nach Tibet und China ' Orte, an denen der westlichen Weltanschauung unbegreifliche Gefahren drohen.Nach seinem Debüt 'Faserland' legte Kracht erneut ein verstörendes und oft nur symbolhaft-andeutendes Werk vor. Der recht schmale und schnell gelesene Roman fährt dabei mit obskuren Figuren, spannenden Beschreibungen und teilweise schrecklichen Begebenheiten auf. Kracht schafft es den Leser trotz der ständig unklar bleibenden Thematik am Ball zu halten. Am Ende steht die Frage, was man da eigentlich gelesen hat, aber gleichzeitig auch eine ungeheure Faszination in Bezug auf die unergründlichen Leerstellen des Textes. Was bei anderen Autoren oft sperrig wirken kann, zieht einen hier in den Bann.Zum Erscheinungsdatum des Buches waren die im Text angesprochenen Themen - nach den Anschlägen in New York und Washington - brandaktuell, aber auch heute noch hat '1979' nichts von seiner Brisanz verloren.Kracht setzt '1979' als Mittelpunkt seines Triptychons über ratlose Reisende. Es empfiehlt sich also das Werk zusammen mit den Romanen 'Faserland' und 'Ich werde hier sein im Schatten und im Sonnenschein' zu lesen.

  • Marc Minor
    2019-03-17 18:07

    Kracht entwirft mit 1979 eine seltsame Fiktion, die sich drei verschiedene Hauptkulissen zum Thema macht: Die iranische Revolution im titelgebenden Jahr, eine Pilgerreise in die kargen Höhenregionen um den Berg Kailasch in Tibet und eine Gefangenschaft in einem chinesischen Arbeiterlager in der Wüste Lop Nor. Der Protagonist, selbst Innenarchitekt und der Dekadenz einer ausufernden Partyszene ergeben, erlebt dabei aus der Ich-Perspektive surreale und beinahe traumartige Szenen im Schatten der iranischen Revolution gemeinsam mit seinem aggressiven und egozentrischen, jedoch äußerst gebildeten Lebensgefährten Christopher. Die Erzählung weist dabei Züge des Entwicklunsgromans auf, da nach dem drogeninduzierten Tod Christophers der namenlose Protagonist sich scheinbar von seinen hedonistischen und prätentiösen Werten loslöst und in Askese und Disziplin seinen Lebenssinn sucht. Der prophetisch-esoterische anmutende Revolutionsführer Mavrocordato regt dabei als erster diese Entwicklung an, schwingt dabei in seiner Darstellung jedoch zwischen naivem Aberglauben und orakelhafter allwissender Transzendenz, sodass der Leser in seiner Bewertung dieses Lebenswandels ratlos bleiben muss. Die zunächst vom Protagonisten als sinnlos empfunde Pilgerreise nach Tibet wandelt sich schnell zu einer Metapher der Reflexion der gesamten dekadenten westlichen Gesellschaft, die nun in Weltentsagung und Philosophien des Buddhismus Lebenssinn sucht. Der dritte und letzte Teil des Buches, der die Gefangenschaft im kommunistischen China beschreibt, reflektiert hingegen über die Philosophien des Kommunismus und über Chancen und Missstände dieser Alternative zum westlichen Kapitalismus, bleibt dabei jedoch hinter der stets positiven Haltung des Protagonisten äußerst skeptisch.Sprachlich ist der Text dabei stark an der Darstellung eines neuen Ästhetizismus von Besitz und Popkultur orientiert. Mode, Materialien, Farben und Gerüche treten dabei vor allem im ersten Teil so sehr in den Vordergrund, dass ein Gesamtbild der Szenerie unerschließbar bleibt. Besonders die Sachlichkeit und Neutralität des Ich-Erzählers bei der Beschreibung von Tod, Trieb, Schmutz und Sünde macht die Darstellung äußerst wirkungsstark - wenn auch paradox. Der Text will dabei jedoch nicht abstrakt sein und bleibt auf der Handlungsebene stets konkret, verständlich und insgesamt leicht lesbar.Besonders interessant wird die Erzählung durch ihren Protagonisten, der wie eine formbare Masse alle Forderungen und Normen seiner Umwelt annimmt und dadurch die Absurdität einer westlichen Sinnsuche überhaupt darstellt: Ein Mensch, der allen Forderungen der Gesellschaft ohne zu zögern entspricht, bleibt letztlich leer und charakterlos und kann daher an der Sinnsuche nur scheitern. Kracht bemüht sich in der Erzählung aber nicht um die Darstellung einer Lebensstilalternative: Im Sinne der Postmoderne führt er mit seinem sprunghaft strukturierten Roman sämtliche Werte ad absurdum und lehnt jegliche Sinnsuche als zwecklos ab. Somit bleibt der Leser nach der Lektüre ratlos, was je nach Geschmack als anregend oder frustrierend empfunden werden kann. In jedem Fall eine lohnenswerte und kurzweilige Unterhaltung